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Zinswende in Sicht? Wann steigen die Zinsen wieder?

Dieser Artikel wurde am 14.06.2018 verfasst von
Stefan Serret

Niedrige Zinsen: Des einen Freud ist des anderen Leid ...

Um die Folgen der letzten Finanzkrise abzuwenden, haben die Notenbanken durch Zinssenkungen und die Ausweitung der Geldmenge ein Umfeld von Niedrigstzinsen geschaffen. Seit es Zinsen gibt, waren sie nie so niedrig wie in den vergangenen Monaten. Darum fragen sich viele: Wann gibt es die Zinswende?

An niedrige Zinsen bei Geldanlagen haben wir uns längst gewöhnt. Einige Banken sind sogar dazu übergegangen, die negativen Zinsen, die die Europäische Zentralbank ihnen für Einlagen in Rechnung stellt, an ihre Kunden weiterzugeben. Gerade Kunden mit großen Geldbeträgen müssen zum Teil solche „Strafzinsen“ zahlen.

Seit kurzem gibt es die Möglichkeit unter bestimmten Voraussetzungen Konsumentenkredite abzuschließen, bei denen weniger Geld zurückbezahlt wird, als wie ausbezahlt wurde. Um es deutlich zu sagen: Sparen wird bestraft und Verschulden wird belohnt! Die Folgen dieser weltweiten Politik sind bekannt: Die Verschuldung vieler privater Haushalte, Unternehmen und Staaten steigt teilweise dramatisch an. Die niedrigen Zinsen werden nur in wenigen Fällen genutzt um weniger Schulden zu machen. Nur einzelne Staaten (wie beispielsweise Deutschland) haben es geschafft, dass ihre Schulden sinken.

Die niedrigen Zinsen wirken wie eine Droge bei Süchtigen: Die Abhängigkeiten steigen und viele glauben, dass die Zinsen „auf ewig“ weiter so niedrig bleiben. Kaum jemand hat sich damit beschäftigt, welche konkreten Auswirkungen steigende Zinsen weltweit bedeuten. Dabei sehnen so manche steigende Zinsen herbei.

 

Zinswende hat bereits begonnen

In den vergangenen Wochen und Monaten mehren sich jedoch die Zeichen, dass die Phase der Niedrigstzinsen zu Ende geht bzw. bereits zu Ende gegangen ist. In den USA haben sich die Zinsen, zu denen sich Unternehmen kurzfristig Geld leihen, innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die amerikanische Notenbank FED hat bereits mehrfach die Leitzinsen erhöht und wird sie in diesem Jahr weiter erhöhen. In Deutschland hat sich die Umlaufrendite von minus 0,27 % im Sommer 2016 auf plus 0,29 % aktuell doch recht deutlich nach oben entwickelt. Auch sind die Zinsen für Immobilienkredite in den vergangenen Monaten wieder von ihren Tiefständen aus angestiegen. Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte sich am 27.03.2018 in Wien zur Zinspolitik. Mit Blick auf die derzeit gute wirtschaftliche Lage im Euroraum bezeichnete Weidmann Markterwartungen, die von einer ersten Zinsanhebung etwa zur Mitte des Jahres 2019 ausgehen, als "nicht ganz unrealistisch". Damit würde die EZB auf den zunehmenden Zinserhöhungsdruck aus dem Ausland reagieren und eine Normalisierung der Zinsen in Europa vorbereiten.

 

Zinswende bei den Realzinsen lässt auf sich warten

Wenn die EZB die Leitzinsen nun wirklich Mitte nächsten Jahres erstmalig erhöhen würde, wäre das erst der Anfang von einer Reihe von mehreren kleinen Zinsschritten. Allzu schnelle Zinsanstiege würden dazu führen, dass viele verschuldete Privatpersonen, Unternehmen und der Staat massive Mehrausgaben schultern müssten. Daran haben diese Schuldner kein Interesse. Gerade auch in den südlichen Staaten der EU, die eine hohe Staatsverschuldung haben, wären Probleme sicher. Bevor Anleger wieder Geld mit kurzfristigen Einlagen, wie zum Beispiel einem Festgeld, verdienen können, wird es also noch einige Jahre dauern. Bei einer momentanen Inflation von ca. 1,7 % pro Jahr müssten die Festgeldzinsen über 1,7 % pro Jahr ansteigen. Erst darüber hinaus wäre ein positiver Kaufkrafteffekt eingetreten – wir hätten also erst dann unser Geld mehr als erhalten.

 

Fazit

Die Phase der niedrigen Zinsen wird langsam aber sicher zu Ende gehen, da die Zinswende bereits begonnen hat. Nennenswerte Zinserträge für private Kunden werden dennoch auf sich warten lassen. Die Herausforderung einer guten Vermögensstreuung über die Anlageklassen Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Liquidität, Immobilien und Edelmetalle wird bleiben. Vor der Vermögensanlage selbst steht aber weiterhin der konsequente und systematische Vermögensaufbau.

Stefan Serret

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