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Experten-Tipps

Wo kommen Konflikte her - und wie wird man sie wieder los?

Dieser Artikel wurde am 13.02.2020 verfasst von
Viktoria Hammon

Konflikte gehören zum Leben. Jedenfalls wird das behauptet. Meine spontane Frage: Ist ein Leben ohne Konflikte dann vorbei? Ich bin immer etwas skeptisch, wenn ein Problem auf die eine oder andere Weise am Leben gehalten wird. Mir liegt eher daran, auf die Suche zu gehen und den wesentlichen Punkt eines Konflikts herauszufinden - um ihn auch tatsächlich aufzulösen.


Stress wurde auch eine Weile "ausgeschlachtet", anstatt ihn als das zu sehen, was er ist: Eine automatisch ablaufende Reaktion des Körpers, die uns in einer subjektiv erlebten Gefahrensituation reaktionsfähig macht. Das heißt aber auch, dass wir im Stress keine Wahl für neue Entscheidungen treffen können. Klares, kreatives Denken bleibt solange abgeschaltet, bis die Gefahr vorbei ist. Und genau so lange bleibt auch der Konflikt bestehen.



Ungelöste, schwelende Konflikte versetzen den Körper in Dauerstress


Ungelöste Konflikte sind eine chronische Stresssituation, die harmonische Abläufe unterwandert: Sie blockiert unvermittelt wichtige Gespräche, sie verdirbt inmitten eines schönen Spiels die Laune. Das kann soweit gehen, dass jemand ungewöhnlich rechthaberisch wird oder andere aus heiterem Himmel beschuldigt. Auch eine weitere Steigerung ist möglich; dann will man sich einfach nur noch durchsetzen. Oder taucht ab und verweigert weitere Gespräche.


Anstatt nun Konflikte umgehend aufzulösen, wird der Logik des Konflikt-Paradoxes gefolgt: In einer Gemengelage aus unterbewussten Ängsten, Zeitmangel und einer gewissen Ohnmacht werden Konflikte mit sich herum oder vor sich her getragen.


Was könnte nun das Maximum eines Konfliktes sein?

  1. Eskalation mit restloser Auflösung der Beziehung.
  2. Schrittweise Einigung mit restloser Auflösung des Konflikts.

Auf die Eskalation gehe ich nicht weiter ein, nur auf Ihre Entscheidung, einen Konflikt kurzfristig zu lösen oder langfristig auflösen zu wollen: Entweder Wogen glätten oder in die Tiefe gehen. Einen Konflikt kurzfristig zu lösen und erst einmal die Wogen zu glätten, kann sehr erholsam sein. Aber wundern Sie sich nicht, wenn er irgendwann wieder auftaucht. Dann brauchen Sie die langfristige Lösung: Konflikte an der Wurzel packen und ursächlich auflösen.



Hinter jedem unaufgelösten Konflikte lauert ein blinder Fleck


Jeder Konflikt hat eine Ursache und braucht einen Anlass, aufzubrechen. Ist die Ursache bekannt, lässt er sich relativ leicht auflösen. Liegt die Ursache aber verborgen im Unterbewusstsein, hinter einem blinden Fleck, wird es schon schwieriger. Dann sind die inneren Zusammenhänge so verdeckt, dass die Handhabe zum direkten Handeln fehlt.


Was versteht man unter einem blinden Fleck? Er ist Konglomerat aus nicht verarbeiteten Erfahrungen und verdrängten Gefühlen, zu denen man keinen Zugang hat. Diesen blinden Fleck aufzudecken und sich bewusst zu machen, welche alten Erfahrungen oder unangenehmen Gefühle man nicht wahrhaben will, ist das ganze Geheimnis einer dauerhaften Konfliktauflösung.



Wie findet man den blinden Fleck?


Das ist relativ einfach, denn nach allem was wir über die Funktion des Gehirns wissen, braucht es Fragen, damit es produktiv und kooperativ wird. Mit Statements, Analysen oder Bewertungen lassen wir dem Gehirn keinen Spielraum für seine kreative Nutzung - die Antwort ist ja schon da.


Warum nicht einen gehirngerechten Weg wählen, um Konflikte zu aufzulösen? Wenn Sie unterbewusste Stressfallen intelligent umgehen, wird Widerstand überflüssig. Dann ist es viel leichter, Zugang zu den inneren Zusammenhängen eines Konflikts zu bekommen. Schlussendlich liegt jedem ungelösten Konflikt ein bestimmtes Stressmuster zu Grunde, das aufgelöst werden muss.



Worauf es im Konflikt ankommt: Fragen zu stellen


Wie bereits erwähnt, ist unser Gehirn am kreativsten, wenn wir Fragen stellen. Das hört sich simpel an, aber beobachten Sie sich einmal im Alltag. Was geht Ihnen schneller über die Lippen: Ein Statement, ein Ratschlag oder interessiertes Nachfragen? Das gilt auch für einen Konflikt.


Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Dynamik eines Konfliktes wird durch unterbewussten emotionalen Stress gesteuert und so lange am Leben gehalten, bis dieser aufgelöst wird. Mit zwei Fragen, die einengene Erfahrungen und verdrängte Gefühle in den Blick nehmen, können Sie eine sofortige Wirkung erzielen:


  1. Welche alten Erfahrungen engen mich ein und hindern mich daran, eine Lösung zu finden?
  2. Welche Gefühle habe ich so verdrängt, dass ich Angst vor ihrem erneuten Ausbruch habe?

Sie sind unsicher, ob das funktioniert? Es gibt nur einen Weg, das zu erfahren: Ausprobieren. Alternativ können Sie auch weiter machen wie bisher. Nur, ist das wirklich eine Alternative?

Viktoria Hammon

Mein Präventionsangebot "Work Life Balance für moderne Familien - Familie und Beruf stressfrei managen" ist ein Angebot für Familien und Arbeitgeber, um Trennungen, innere Kündigung, Burnout, Karriereknick und Schulprobleme zu vermeiden. Leider weiß kaum jemand, wie schädlich schwelende Konflikte ...