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Experten-Tipps

Wenn's im Team knirscht

Dieser Artikel wurde am 25.01.2021 verfasst von
Julia Kunz

Wie wäre das Leben schön


Es wäre so schön, wenn manche Kollegen einfach verstehen würden, dass sie Unrecht haben. Wenn sie endlich in die Gänge kämen und nicht immer 1000 Begründungen suchten, warum etwas nicht funktioniert. Wenn sie einsehen würden, warum manche Veränderungen eine große Chance bedeuten. Wir könnten in völliger Übereinstimmung unsere Arbeit machen und es gäbe keine Streitigkeiten, die alles aufhalten.



Unrealistisch?


Natürlich ist das eine überzogene und unrealistische Vorstellung. Und doch kommt sie der Wahrheit ziemlich nahe: Wir sind oft von unserem eigenen Weg überzeugt und verstehen nicht, warum das andere anders sehen können. Selbst wenn wir am Ende Recht behalten, hätten wir doch etwas dazu tun können, dass der ganze Prozess bis zur Umsetzung etwas weniger steinig abläuft. Und das heißt: Die Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen tatsächlich einmal so annehmen, wie sie sind. Nehmen wir mal an, wir hätten eine sehr gute Idee für eine Innovation. Fakten sind geklärt, rechtlich ist alles in Ordnung und das Budget ist auch da. Manpower vorhanden, Equipment auch – die Entscheidung müsst einstimmig für unsere Innovationsidee fallen. Doch warum gibt es die ängstlichen Bremser, die den ganzen Prozess so verlangsamen?



Gottes Tiergarten ist groß


Dieses Zitat vom deutschen Schriftsteller Alexander Otto Weber (1868-1939) bringt es auf den Punkt: Wir sind alle unterschiedlich und das ist gut so. Es gibt viele Konstellationen, in denen Menschen als Kollegen aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick „nicht miteinander können“. So gibt es oft Schwierigkeiten, wenn eine innovative und risikofreudige Mitarbeiterin auf einen eher ängstlichen und sicherheitsbewussten Kollegen trifft (oder andersherum).



Bedenken ohne Ende


Nehmen wir als Beispiel eine neue Produktidee: Für die innovative Person liegen die Vorteile auf der Hand: Eine Neuigkeit auf dem Markt, die von den Kunden nachgefragt werden wird und die eigene Marktposition auf absehbare Zeit sichern wird. Für eine sicherheitsbewusste Person sind diese Vorteile auch sichtbar, gehen allerdings mit vielen Ungewissheiten einher: Was, wenn sich die Nachfrage anders entwickelt als erwartet? Wir leben in so unsicheren Zeiten – ist es nicht besser, beim Alten zu bleiben? Was, wenn sich die Investoren zurückziehen? Was bedeutet das für meinen eigenen Arbeitsplatz?



Berechtigte Fragen


Diese und andere Fragen haben ihre Berechtigung und müssen unbedingt ernst genommen werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sowieso, aber auch ganz besonders aus persönlicher und neurowissenschaftlicher Sicht, denn wir können nicht „raus aus unserer Haut“ – bzw. unserem Gehirn.



Die Amygdala läuft Amok


Jede und jeder von uns reagiert unterschiedlich auf verschiedene Situationen. Wenn wir in einer Situation sind, die uns Angst macht, bedeutet das Stress fürs Gehirn. Unser Angstzentrum, die Amygdala, läuft Amok. Unser Körper reagiert mit erhöhtem Herzschlag, schnellerer Atmung und feuchten Händen. Stresshormone werden ausgeschüttet und blockieren unser logisches Denken.



Kein Empfang für sachliche Argumente


In dieser Situation können wir noch so sehr sachliche Argumente bieten: Unser präfrontaler Cortex, das Stirnhirn als Ort für Logik und Ratio, arbeitet nicht mehr richtig. Was für Kollegen wahlweise für Ängstlichkeit, Sturheit oder Dummheit gehalten wird, sind neuronale Vorgänge im Gehirn, die wir nicht bewusst steuern können.



Der Ausweg


Was also tun mit Kollegen, die Angst vor Veränderungen haben? Umgehen Sie deren Amygdala, hören Sie auf, immer wieder zu betonen, wie toll alles werden wird, wenn erst alles neu wird. Gehen Sie den anderen Weg: Betonen Sie, was bleibt. Welche Routinen dieselben sein werden, welche Kollegen immer noch auf dem gleichen Platz sitzen werden und zur Not auch, dass die Kantine immer noch dasselbe kocht (oder der Homeofficeplatz derselbe bleiben wird). Bieten Sie ihnen die Sicherheit, die sie brauchen ohne die Änderungen zu verschweigen. Betonen Sie jedoch die Aspekte, die Beruhigung bringen.



Andersartigkeit als Chance


  1. Sehen Sie die andere Sichtweise Ihrer Kollegen als Chance und bedenken Sie deren Einwände: Könnte an dem ein oder anderen was dran sein? Schon manchmal hat ein sicherheitsbewusster Kollege dem innovativen Kollegen noch eine Schwachstelle im System aufgezeigt.
  2. Kommunizieren Sie! Zeigen Sie, dass Sie die Einwände prüfen. Sehen Sie die Chance in Ihrem heterogenen Team: Auf der einen Seite die sicherheitsbewussten Mitarbeiter, auf der anderen die risikofreudigen. Das ist die perfekte Mischung, um einen guten zukunftsfähigen Weg noch lange gemeinsam zu gehen!
Julia Kunz

Hier dreht sich alles ums Gehirn und darum, welche Auswirkungen es auf Ihren Alltag hat. Wie Sie ihr Gehirn nutzen, - um eine gute Präsentation zu halten - um sich wichtige Argumente, Zahlen oder Namen zu merken - um neue Ideen zu kreieren oder sich auf Neues einzulassen und vieles mehr. Lassen ...