© Bild von Fathromi Ramdlon auf Pixabay

Experten-Tipps

Das Trainerhonorar ist zweitrangig

Dieser Artikel wurde am 18.04.2022 von let's find experts - Redaktion verfasst.

Viele Auftraggeber schauen bei der Auswahl eines passenden Trainers oder Trainerin zu stark auf das jeweilige Trainerhonorar, statt auf das Konzept, welches dahintersteckt. Zugegeben, bei der großen Anzahl an Trainern ist die Auswahl nicht immer leicht. Aber das selbst Personalverantwortliche oder gar Geschäftsführer mentale Mauern á la „Ein Trainer darf nicht über 2.000 Euro kosten“ oder ähnliches haben, zeigt, dass im Zweifelsfall die Qualität und der Lerntransfer zweitrangig ist. Das ist schade. Denn Investitionen über beispielsweise 30.000 Euro in ein Mitarbeiterteam, die etwas bringen, sind doch besser, als niedrigere Ausgaben, die zu keiner positiven Veränderung führen, oder?



Investitionen müssen sich rechnen


Angenommen, Sie haben die Wahl, ob Sie eine Werbeanzeige für 4.000 Euro in einem Magazin schalten, welches tonangebend in Ihrer Branche ist – oder in einem anderen Magazin, das zwar wohl auch gekauft wird, aber so gut wie gar nicht von Ihrer Zielgruppe. Würden Sie dann im letztgenannten Magazin Ihre Anzeige platzieren, nur weil Sie diese dort für 2.500 Euro unterbekommen? Hoffentlich nicht. Und sollten Sie keine 4.000 Euro „übrig“ haben, schalten Sie vermutlich gar keine Anzeige – denn warum sollten Sie unnötig Geld „verbrennen“, oder?


Wenn es um Trainerhonorare geht, gelten aber interessanterweise oft andere Spielregeln. So gibt es Geschäftsführer, die sagen „Also ein Verkaufstrainer darf maximal 2.000 Euro kosten und ein Führungstrainer 3.000 Euro.“ Eine solche These wirft Fragen auf:


  • Wieso sind Führungskräfte „bessere“ Mitarbeiter und dürfen darum einen wertvolleren Trainer bekommen?
  • Wo kommen die Zahlen 2.000 Euro und 3.000 Euro eigentlich her?
  • Ist nicht sogar das Risiko groß, dass günstigere Trainer hoffen, mit ihrem niedrigeren Honorar ihre Auftraggeber weniger zu verärgern, wenn sie die Seminarziele nicht erreichen?


Trainerhonorare wecken oft Neid und Missgunst


Klar, für Außenstehende klingt es nach sehr viel Geld, wenn ein Verkaufstrainer beispielsweise 3.900 Euro für einen Tag „nimmt“. Und es ist auch zu viel Geld, wenn das Training bei den Teilnehmern nicht für echte Aha-Effekte und Veränderungen sorgt. Doch wenn ein Trainer mit einem Trainerhonorar von 2.000 Euro genauso gut ist wie einer für 3.900 Euro – wie kommt denn der letztere auf seinen Preis? Müssten hier die Interessenten nicht stutzig werden - und bei beiden kritisch nachfragen? Denn irgendetwas muss beide doch dramatisch voneinander unterscheiden, oder? Pauschal zu sagen „ist zu teuer“, ist zu kurz gedacht. Denn vielleicht sind beide Trainer immer noch nicht ideal für den Auftraggeber. Weitersuchen ist also angesagt.



Führen Sie zumindest auch Gespräche mit „teuren“ Trainern


Sie können davon ausgehen, dass es Gründe für die Honorardifferenzen gibt. Diese sind von Ihnen in Erfahrung zu bringen. Denn Ihre Mitarbeiter sind zu wertvoll, als dass Sie an diese Versuche durchführen sollten. Die Praxis zeigt oft genug, dass Teilnehmer Weiterbildungen sehr kritisch gegenüberstehen, weil ihnen in den letzten Jahren Trainer vorgesetzt worden sind, die ihnen unterm Strich nichts brachten – und somit nur wertvolle Zeit stahlen. Weiterbildung darf keine Alibiveranstaltung sein.


Folgende Fragen sollten Sie Trainern jenseits des Honorars stellen:


  • Wie sieht Ihr Lösungsansatz für unsere Aufgabenstellung aus?
  • Können Sie uns Namen Ihrer Kunden nennen, mit denen wir mal telefonieren dürfen?
  • Wie wollen Sie uns bzw. die Teilnehmer bei der Veränderung unterstützen?
  • Wie gehen Sie mit Hindernissen A und B im Training um?
  • Was inkludiert alles Ihr Trainerhonorar?
  • Welche Hindernisse bei der Umsetzung erwarten Sie nach dem Training?
  • Wie können wir hier gemeinsam vorgehen?
  • Sagen Sie uns bitte in zwei Sätzen, warum wir Sie beauftragen sollten.
  • Wie sind Ihre Bedingungen, sollte das Training ausfallen oder verschoben werden müssen?
  • Was tun Sie konkret, damit unsere Teilnehmer Sie als Experte/Expertin schnell akzeptieren?

An sich sind solche Fragen bei der Trainerauswahl und zum Verständnis des hohen bzw. niedrigen Trainerhonorars naheliegend. Dennoch nehmen sich viele potentielle Auftraggeber gar nicht die Zeit, sich wirklich mit den unterschiedlichen erhaltenen Angeboten auseinanderzusetzen. Schade – für alle Beteiligten.