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Narzissmus - gut oder schlecht?

Dieser Artikel wurde am 18.11.2018 verfasst von
Frank Gerit Kaiser

Der Begriff „Narzissmus“ erfährt aktuell einen deutlichen Hype. Es ist schick, bei anderen so etwas zu entlarven. Aber häufig spüre ich, dass gerade eben die Personen, die im Gegenüber dieses Phänomen zu entdecken suchen, eben auch verunsichert bei sich „nachschauen“, wieviel Spuren davon bei sich selber entdeckbar sind.

 

 

Ein gewisser Narzissmus ist gut

 

Nun – zunächst ist eine gesunde Portion Narzissmus etwas durchaus „Normales“ und Gesundes. Wir benötigen ihn, um seelisch überleben zu können. Als kleines Kind ist es sehr wichtig, eine ausreichende narzisstische Befriedigung zu bekommen, damit ausreichend Selbstachtung und Selbstrespekt überhaupt entstehen und sich entfalten kann. Erst dann kann sich eine ausgereifte Liebesfähigkeit bei Menschen entwickeln, die im späteren Leben die entsprechende Zuneigung, Wertschätzung und Dankbarkeit mittels Empathie anderen Menschen gegenüber entstehen lässt. Dabei ist es durchaus nützlich, dass wir Menschen uns in Folge als einzigartige, individuelle Persönlichkeit erkennen und selber wertschätzen können. Genau diese Selbstwertschätzung ist es, die uns gelassener auf der Suche nach (Fremd-) Anerkennung werden lässt – und somit freier und selbstbestimmter.

 

 

Kontakt zur eigenen Gefühlswelt ist zu behalten

 

Wenn wir häufig von unseren Bezugspersonen gezwungen wurden, es diesen stets recht machen zu müssen, ist die Gefahr groß, auch im späteren Leben im Außen Bestätigung zu suchen. So entwickeln wir Menschen dann ausgeprägte Antennen, wozu andere applaudieren können. Damit richten wir uns nach den Vorstellungen, Bedürfnissen und Wünschen anderer aus. Aber wir verlieren unsere Wahrnehmung zu unserem eigenen Inneren dahingehend, was gut für uns selber ist. Als Kind lernen wir dann schnell, die echten, ursprünglichen Gefühle und Bedürfnisse zurückzuhalten und haben nicht mehr den spontanen Kontakt zu unserer eigenen Gefühlswelt. Somit kann dann auch nicht die Selbstfürsorge gelingen, die notwendig ist, gut für uns zu sorgen. Das bedeutet dann auch, dass wir unsere Fähigkeit zur Regeneration nach und nach verlieren, was im Ergebnis zu der fast nun schon allseits gegenwärtigen emotionalen Erschöpfung wird. Da wir dann innerlich leer werden und keinen nährenden Kontakt zu unseren Mitmenschen mehr herstellen können, fehlt die für uns soziale Wesen so lebenswichtige Wärme - es kommt zur gefühlsmäßigen Verarmung und Vereinsamung. Erst unsere eigenen, echten sowie ursprünglichen Gefühle sind die Brücke zu unseren Mitmenschen. Über sie erfahren wir auch etwas über unser Gegenüber, so dass echte Verständigung möglich wird und sich daraus Mitgefühl entwickeln kann.

 

 

Angemessene Selbstführsorge betreiben

 

Also: kümmern Sie sich durchaus um sich selbst (Selbstfürsorge) und erkennen Sie Ihren Wert, den Sie als Mensch haben – auch und trotz möglicher Fehler sowie Mängel - denn das macht uns Menschen aus. Vermeintlich fehlerfreie Menschen wirken „glatt“, unnahbar und erzeugen eine (innere) Entfernung. Es geht um Menschlichkeit und Menschsein, was in der heutigen Zeit Nährstoff und Dünger braucht. Machen Sie mit, damit das Miteinander spürbar und lebendig bleibt.

Frank Gerit Kaiser

o als psychologischer Coach begleite ich private Klienten bei ihrer persönlichen Entwicklung o als ehemalige Führungskraft begleite ich im Business Individuen im beruflichen Kontext o als Gesundheits-Coach unterstütze ich das betriebliche Gesundheitsmanagement ...