Experten-Tipps

Machen Sie Ihre Pressearbeit in „Sauren-Gurken-Zeiten“

Dieser Artikel wurde am 12.01.2021 verfasst von
Christiane Adam

Wie beinahe jede Branche unterliegt auch der Lokaljournalismus saisonalen Schwankungen. Während in den Sommerferien gähnende Leere in den redaktionellen Terminkalendern herrscht, quellen sie in den Wochen vor Weihnachten über. Ich empfehle daher in meinen Presseworkshops immer: Handeln Sie antizyklisch!


Zum Beispiel Spenden:

Zur Weihnachtszeit öffnen sich die Herzen der Menschen, und die Spendenbereitschaft nimmt enorm zu. Viele Unternehmen initiieren Aktionen, mit denen für die gute Sache gespendet wird, und melden dies den Lokalredaktionen, nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber! In mehr als neun Jahren als freiberufliche Lokaljournalistin habe ich daher über etliche Aktionen von Spendern berichtet, die sich ab November in den Redaktionen von Tageszeitung und Radio melden. Aber ich kann mich an lediglich zwei Aktionen erinnern, die zur Osterzeit stattfanden. Pünktlich zu den Osterferien fällt die Termindichte meistens zusammen wie ein schlaffer Luftballon. Warum also statt der üblichen Weihnachtsspende der Belegschaft nicht einmal eine Spendensammlung zu Ostern anleiern? Ähnliches gilt übrigens für die Zeit direkt nach Neujahr – da herrscht überall völlige Saure-Gurken-Zeit, und das schlägt sich selbstredend auch in den Lokalausgaben der Tageszeitung bzw. im Lokalradio nieder.


Zum Beispiel (Unternehmens)portrait:

Sie haben immer schon einmal Ihr Traditionsunternehmen, Ihr innovatives Produkt oder Ihre außergewöhnliche Firmenkultur vorstellen wollen? Oder Sie haben vielleicht ein Buch veröffentlicht? Versuchen Sie keinesfalls, damit in der Adventszeit an die Redaktionen heranzutreten. Man wird Sie höchstwahrscheinlich nicht einmal kontaktieren, um Ihnen abzusagen. Schlecht sieht es auch in den Wochen vor den Sommerferien aus: Schulabschlüsse, Halbjahresbilanzen etc. – das alles versucht sich noch vor der Sommerpause einen Platz auf der Lokalseite Ihrer Tageszeitung zu verschaffen. Nein, wenden Sie sich damit während der Sommerferien an die Redaktionen. Vor allem in der ersten Hälfte sind die üblichen Verdächtigen (Vereine, Politiker, Kulturschaffende etc.) meistens so froh, dass das Schuljahr um ist und endlich die lang ersehnten Sommerferien beginnen, dass es kaum etwas zu berichten gibt: Alles pausiert. Und jetzt kommen Sie und haben ein interessantes Thema – man wird Ihnen in der Redaktion zumindest ein offenes Ohr schenken!


Aber sind dann nicht alle verreist und keiner liest meine Pressemitteilung?


Ja, möglicherweise sind in den Ferien viele Menschen verreist, das stimmt. Allerdings sind mit Sicherheit nicht alle Menschen verreist, vor allem nicht gleichzeitig. Und die, die zuhause sind und Tageszeitung lesen bzw. Lokalradio hören, haben mehr Muße als im übrigen Jahr und nehmen die Berichterstattung umso ausführlicher wahr. Viele Menschen lassen sich die Zeitung ohnehin an den Urlaubsort nachsenden.


Fazit: Antizyklisches Handeln in Ihrer Pressearbeit verhilft Ihnen dazu, bei Redakteuren mehr Aufmerksamkeit zu finden. Und bei den Lesern fällt Ihre Pressemitteilung nicht unter die 57. Weihnachtsspende. Die Institutionen, die Sie unterstützen möchten, freuen sich sicherlich im April genauso über Ihre Zuwendung wie im Dezember. Und auch, wenn Sie die Vorstellung reizt, dass es Ihr neues Produkt oder Buch mitten im Weihnachtsgeschäft in die Lokalpresse schafft, so wären Sie damit trotzdem nur einer von vielen, während Sie in der Sauren-Gurken-Zeit sozusagen der Hecht im Karpfenteich sein könnten.

Christiane Adam

"cad" unter diesem Kürzel bin ich seit Ende 2011 als freiberufliche Journalistin tätig. Mein Metier ist der Lokaljournalismus, ein spannendes Gebiet, denn überall, wo ich hinschaue, finde ich Geschichten, über die es sich lohnt zu schreiben. Mein Revier ist das südliche Emsland. In meinen Workshops ...