Experten-Tipps

Konfliktmanagement ist nichts für Weicheier

Dieser Artikel wurde am 05.02.2019 verfasst von
Christoph Maria Michalski

Warum es sich lohnt, Konflikte anzusprechen – und wie Sie sie aus der Welt schaffen


"Bei einem so großen Laden bleibt es nicht aus, dass es mal zu Reibereien kommt … Aber Konflikte? So würde ich das jetzt nicht nennen, alles nicht so tragisch …“ Na, klingelt da was bei Ihnen? Die gute Nachricht zuerst: Sowas kommt in jedem Unternehmen vor. Vom DAX 100-Konzern bis zum kleinen Familienbetrieb. Niemand gibt gerne zu, dass es zwischenmenschlich kriselt, sei es zwischen Kollegen, Mitarbeiter und Führungskraft oder Dienstleister und Kunde. Also wird schön alles unter den Teppich gekehrt. So lange, bis dieser unschöne Beulen wirft, die immer mehr Leute zu Fall bringen. Spätestens dann sollte klar sein: Konflikte sind keine Bagatellen, sondern müssen ernstgenommen und vor allem angegangen werden!


Denn die „kleine Reiberei“, die dazu führt, dass wichtige Informationen erst verspätet beim Kollegen landen, kostet Unternehmen bares Geld! Eine Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) hat ergeben, dass die Kosten, die durch Konflikte entstehen, mehr als 50.000 Euro pro Projekt betragen. Das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Und damit nicht genug: Die Studie zeigt außerdem, dass im Schritt zehn bis 15 Prozent der Arbeitszeit auf Grund von unternehmensinternen Konflikten verloren gehen. Sei es, weil Informationen unterschlagen werden, die Zusammenarbeit verweigert wird etc. Zehn Prozent klingt erst mal nicht viel – doch umgerechnet ist das ein halber Tag pro Woche! Höchste Zeit also, ins Handeln zu kommen.


Lassen Sie mich direkt mal eins klarstellen: Konflikte sind wie Bakterien. Oder Viren. Sie sind überall. Zu Beginn mikroskopisch klein und mit sich selbst beschäftigt. Doch wenn man sie nur lange genug in feucht-warmen Büros vor sich hin gedeihen lässt und noch eine Prise schlechte-Laune-Zugluft hinzufügt, wird eine ausgewachsene Konflikt-Influenza daraus, die die Hälfte der Mitarbeiter infiziert. Und nein, es wird Ihnen nicht gelingen, Ihr Unternehmen komplett steril zu halten. Entscheidend ist daher, nicht in Panik auszubrechen – sondern stattdessen die passenden Konflikt-Antibiotika parat zu haben!


Konflikte richtig einordnen – und entsprechend handeln!


1. Positiv bleiben

Konflikte sind ungefähr so beliebt wie Wurzelbehandlungen und Fußpilz. Trotzdem sind sie auch Innovationstreiber und eine Art von Qualitätsmanagement – jeder Konflikt zeigt an, dass ein Rad nicht richtig rundläuft.


2. Konflikte managen

Unstimmigkeiten lassen sich auf sachlicher Ebene angehen. Sobald Emotionen dazu kommen, wird ein Konflikt daraus. Und dieser lässt sich nur lösen, wenn Sie beide Ebenen gemeinsam betrachten.

Erfolgsentscheidend ist dabei, den Konflikt richtig in eine der drei existierenden Konfliktkategorien einzuordnen und entsprechend zu handeln:


    Debatte

    Hier wird diskutiert und gestritten: Etwa darüber, wer die Projektleitung übernimmt. Die beiden Parteien diskutieren so lange, bis einer nachgibt. Grundlegend für eine Debatte ist also, dass der Gesprächspartner bereit ist, seine eigene Meinung aufzugeben, um einen Konsens zu finden.


    Spiel

    Es folgt festen Regeln, an die sich auch im Konflikt alle Beteiligten halten müssen. Im Job sind das zum Beispiel Unternehmensleitbilder oder der Teamkodex. Wer dagegen verstößt und sich nicht an die Regeln hält, muss schlimmstenfalls mit einer Kündigung rechnen.


    Kampf

    Eigentlich selbsterklärend. Einer gibt auf und unterwirft sich. Es gibt keine Regeln, der Stärkste gewinnt. In einer ritualisierten Form wird diese Methode in Vertriebsmannschaften angewendet. Im Unternehmenskontext lässt sich hier z.B. auch Mobbing ansiedeln.


3. Dranbleiben!

Konfliktlösung erfordert Geduld und Übung. Mit einem eintägigen Workshop à la „Schwierige Gespräche führen“ oder „Souverän in Konflikten agieren“, werden Sie nichts nachhaltig verändern. Entscheidend ist es, eine Konfliktmanagement-Systematik im Unternehmen und vor allem in den Köpfen aller Mitarbeiter zu verankern!


Eine Frage bleibt jetzt noch ungeklärt: Was ist bitte das Gute an Konflikten? Lassen Sie mich dazu das Bild der Grippe-Viren bemühen: Sobald Sie die Influenza überstanden haben, hat Ihr Immunsystem entsprechende Antikörper gebildet. So ist zumindest ziemlich wahrscheinlich, dass Sie nicht wieder an dem gleichen Grippetyp erkranken werden. Und genauso verhält es sich mit Konflikten. Mit jeder gelösten Auseinandersetzung bilden Sie weitere „Konflikt-Antikörper“ beziehungsweise eigenen sich eine Konfliktsystematik an, die Sie bald wie im Schlaf anwenden können. Und was sich dabei ebenfalls lohnt auf dem Schirm zu behalten:


Jede Innovation und Entwicklung sind aus einem Konflikt hervorgegangen! Es lohnt also, Konflikten nicht länger aus dem Weg zu gehen, sondern sich Ihnen rigoros zu stellen.

Christoph Maria Michalski

Als seniorabler Querdenker beschäftigte ich mich vor allem mit Fragen um die Entstehung und das richtige Handhaben von Konflikten. Dabei verbinde ich in meinen Lösungsvorschlägen kreative Ansätze mit methodischer Vielfalt und technischer Präzision. Basis dafür sind neben der unbändigen Neugier auch ...