Experten-Tipps

Konflikte dauerhaft auflösen

Dieser Artikel wurde am 01.10.2018 verfasst von
Viktoria Hammon

Sehr viele private und berufliche Beziehungen leiden an schwelenden Konflikten, weil sie entweder nicht angesprochen oder nach erfolglosen Lösungsversuchen unter den Teppich gekehrt werden. Innerseelische Konflikte, wenn man zum Beispiel regelmäßig Ja sagt, wenn man eigentlich Nein meint, führen nicht selten dazu, dass sich Menschen ausgebrannt und leer fühlen.

 

 

Warum Konfliktlösungen so oft scheitern

 

Ein Konflikt entsteht, wenn unterschiedliche Ansichten, Werte und Ziele aufeinander prallen und starrsinnig verteidigt werden. Bestenfalls wird ein Konflikt umgehend aufgelöst, sonst sitzt unsere unterbewusste Stressdynamik am längeren Hebel: Menschen fühlen sich urplötzlich durch den Standpunkt und Ziele anderer angegriffen oder in Frage gestellt; blitzschnell sind sie im Angriffs- oder Verteidigungsmodus. Angriff und Verteidigung sind wiederum zwei Seiten derselben Medaille – jemand ist im Stress. Ursächlich gesehen ist Stress eine Reaktion auf Angst: Angst etwas zu verlieren, das einem wichtig und wertvoll ist. Es kann das eigene Leben sein, aber auch eine wichtige Position in einer Hierarchie oder die Liebe des Lebens. Der Körper macht keinen Unterschied zwischen äußerer und innerer Bedrohung; er aktiviert in jedem Fall das hormonell gesteuerte „Kommando Lebensrettung“. Hält dieser Zustand allerdings an, wird eine gesunde Selbststeuerung allmählich außer Kraft gesetzt.

 

 

Konflikte dauerhaft aufzulösen braucht Verständnis

 

Wenn wir berücksichtigen, dass viele unserer Entscheidungen und Handlungen aus dem Unterbewusstsein heraus getroffen werden, eröffnen sich für dauerhafte Konfliktauflösungen neue Möglichkeiten. Trotzdem sitzen wir in einer Falle: An schwelende Konflikte kann man sich gewöhnen. Höchst selten werden nämlich eine allgemeine Gereiztheit oder plötzliche Wutanfälle mit ungelösten Konflikten in Verbindung gebracht. Auch Manipulationsversuche durch Tränenausbrüche oder ein beleidigter Rückzug haben ihren Ursprung in meist ungelösten Konflikten: Durch emotionalen Dauerstress befinden sich die Betroffenen in permanenter innerer Aufruhr. Und dann wundert man sich, wenn jemand bei jeder Kleinigkeit „hoch geht“.

 

 

Solidarisch werden mit der Lösung

 

Schwelende Konflikte beeinflussen jedes Betriebs- und Familienklima negativ und sind eine der Ursachen für Leistungsverweigerung, unerklärliche Fehlzeiten oder Mobbing. Einen auftretenden Konflikt zu lösen, hat etwas mit Geschwindigkeit zu tun - es muss sofort geschehen. Alle Beteiligten sind gefragt. Bereits ein einziger Gegenspieler kann den ganzen Prozess durchkreuzen, denn jede gute Konfliktauflösung lebt vom Kompromiss.

 

 

Konflikte sind immer ein Beziehungsproblem und damit komplex

 

Menschen sind soziale Wesen und reagieren naturgemäß aufeinander. Es gehört einfach dazu, dass jeder Konflikt von individuellen Erfahrungen, Gefühlen und Ängsten begleitet wird. Wenn aber, wie so oft, die Gefühle des anderen nicht anerkannt oder übergangen werden, entsteht ein neuer Konflikt. Auch wenn persönliche Erfahrungen wenig geschätzt werden, kann der ursprüngliche Konflikt ziemlich schnell aus den Fugen geraten. Das macht die Komplexität eines Konfliktes aus - es gibt nun einmal keine allgemein gültigen Gefühle.

 

Die Lösung liegt darin, den Gefühlen und Erfahrungen insgesamt genug Beachtung zu schenken. Die Sprache des Unterbewusstseins zu verstehen, kann dabei sehr hilfreich sein.

Übrigens hält der renommierte österreichische Konfliktforscher Fritz Glasl bloße Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse noch nicht für einen Konflikt.

Über den Autor

Viktoria Hammon ist die gute Zuhörerin, die Ihren aktuellen Stress punktgenau, schnell und sicher auflöst. ...