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Experten-Tipps

Ist das Flipchart wirklich out?

Dieser Artikel wurde am 30.08.2019 verfasst von
Julia Kunz

62.000 Google-Ergebnisse allein für „Flipchart großartig“. Es können also nicht nur die Gedächtnistrainer oder neurowissenschaftlich ausgebildete Experten sein, die von Berufs wegen wissen, dass Flipcharts eine Präsentation zum Erlebnis machen können. Flipcharts sind großartig und an Präsentationsmedien das Beste, was auf dem Markt ist. Ich könnte mit guten Argumenten für das Flipchart mindestens 7,5 Blogartikel füllen – heute liefere ich Ihnen die 6 häufigsten Argumente gegen Flipchart und die Gründe, warum diese Argumente ins Leere laufen.



Vorurteil 1: Flipcharts sind altmodisch, Beamer mit einer modernen Präsentationssoftware wirken viel professioneller.


Haben Sie sich schon einmal dabei beobachtet, wenn Sie eine Präsentation mit modernster Software gefolgt sind? Sind Sie schon ab der zweiten oder erst ab der dritten Folie vom Inhalt abgelenkt, weil Sie überlegen, wo der Text in der nächsten Folie erscheint? Wird es der i-Punkt sein oder das Ausrufezeichen? Kommt er von rechts oben oder von links unten? Die Wette läuft – und ich wette, dass Ihr Hippocampus begeistert ist und sich auf das Neue stürzt. Und das ist hier nicht der Inhalt, sondern die Art der Präsentation. Der Grad zwischen Präsentationskunst und „ich-zeige-mein-neues-cooles-Tool“ ist hier extrem schmal und wird leider ganz oft in Richtung des letzteren überschritten.


Es gibt kaum ein Moderationstool, das neurowissenschaftlich mehr auf der Höhe ist als das Flipchart: Es weckt Emotionen, die für die Aufmerksamkeit extrem wichtig sind. Nur durch Emotionen lässt sich das Gehirn der Zuhörer bewegen, die Inhalte Ihrer Präsentation abzuspeichern.


Es lässt sich interaktiv einsetzen: Die Teilnehmer werden in den Vortrag mit einbezogen, was von ihrem Gehirn honoriert wird. Versucht unser Gehirn doch stets, Inhalte auf uns zu beziehen. Nutzen Sie diesen Aspekt und lassen Sie den Teilnehmer mitmachen!


Wenn das Flipchart professionell bespielt, also gestaltet und eingesetzt wird, hat es eine lang anhaltende positive Wirkung bei den Zuhörern.



Vorurteil 2: Meine Sauklaue kann kein Mensch lesen. Flipcharts gehen da gar nicht.


Bereiten Sie die Flipcharts maßvoll vor – Überschriften, Tabellenbeschriftungen schon im Büro vorschreiben. Komplett vorgeschriebene Flipcharts büßen einen Großteil ihres Effekts ein. Entwickeln Sie das Werk während Ihres Vortrags.


Vermeiden Sie Handschrift komplett, indem Sie Metaplankärtchen zu Hause bedrucken, dann auf FC kleben.


Fordern Sie Ihre Zuhörer zum Schreiben auf – deren Gehirn ist sofort voll dabei und aufmerksam. Warum nicht einen Teilnehmer ein Schlagwort aufschreiben lassen, das er gesagt hat? Das schafft Eindruck und die Information wird sicher im Gedächtnis abgespeichert.


Auf keinen Fall in Großbuchstaben schreiben, das macht alles noch schlimmer! Schreiben Sie langsam und in Druckbuchstaben, Anfangsbuchstaben nur bei Substantiven und Namen groß.


Mit Übung und Geduld können Sie sich eine schöne Flipchartschrift aneignen. Vorlagen im Internet oder in der einschlägigen Literatur.



Vorurteil 3: Medienvielfalt nicht möglich. Videos, Audios und Fotos können nicht abgespielt/gezeigt werden.


Wer sagt denn, dass eine Präsentation nur mit Videos oder Audios erfolgversprechend ist? Überlegen Sie sich griffige Icons, die Sie gut zeichnen können und die den Nagel auf den Kopf treffen. Einfach, aber wirksam!


Machen Sie den Medienmix: Beamer für Ihre Videos, Lautsprecher für die Audios, Flipchart für alle anderen Visualisierungen. Medienmix ist das Stichwort!


Fotos können Sie trotzdem verwenden: Groß ausdrucken und aufkleben. Oder Sie ziehen Sie auf Foamboards o.ä. – das ist dann zwar kein Flipchart, aber Sie müssen dafür nicht extra den Beamer anschmeißen. Fotos ins Handout packen ist auch noch eine Möglichkeit, dass Sie sie sich gemeinsam ansehen können.



Vorurteil 4: Nur für begrenzte Zuhörerzahl möglich: Ab ca. 25 Personen ist ein Teil des FC für die in der hinteren Reihe Sitzenden verdeckt.


Schauen Sie sich vorher die Location an: Wenn Sie von einer Bühne aus sprechen, können Sie ein FC auch für deutlich mehr als 25 – 30 Personen nutzen.


Ansonsten: Nutzen Sie das FC als willkommene Unterbrechung zur Power Point Präsentation und zeichnen Sie großformatige Visualisierungen an, die über das ganze Blatt reichen. Beispielsweise ein großes Tortendiagramm – ohne Beschriftung und mit wenigen „Kuchenstücken“ dient es als guter Eyecatcher.



Vorurteil 5: Aufwendig in der Vorbereitung – ein Flipchartblatt vorzubereiten, dauert ewig. Und ich kann es auch nicht oft wiederverwenden.


Ja. Auch wenn Sie ein FC-Blatt nur rudimentär vorher gestalten: Das dauert. Und ich persönlich nutze es meistens nur einmal und male für jedes Seminar alles neu. Das dauert und ist sehr aufwendig. Doch wer hat gesagt, dass ein Vortrag/eine Präsentation nicht aufwendig ist? Wenn Ihnen das zu viel ist, lassen Sie es.


Sehen Sie es als Kundenservice und nutzen Sie die emotionale Komponente, die dafür sorgt, dass Ihr Vortrag sicher im Gedächtnis der Zuhörer landet: Ihre Teilnehmer sehen die Mühe, die Sie sich mit der Vorbereitung gegeben haben und die Wertschätzung, die Sie ihnen somit zeigen. Und mit der Wertschätzung sind wir wieder bei der emotionalen Komponente, ohne die kein Vortrag dieser Welt im Gehirn der Zuhörer Wirkung zeigt.



Vorurteil 6: Handouts: Ich kann die Flipcharts nicht ausdrucken und als Handouts austeilen.


Und das ist auch gut so – und weil das viele PowerPointJunkies tun, geriet PowerPoint so sehr in Verruf. Auf einem Handout sollte immer noch mehr Information sein als auf einer Folie oder einem Flipchart. Die Visualisierungsmedien einfach zu kopieren, hat noch nie ein gutes Handout gegeben. Falls doch, dann war Ihr Flipchart/Ihre Folie zu überfrachtet und nicht gut. So gesehen ist es für die Handouts völlig egal, welches Medium Sie nutzen, denn das ist noch einmal ein eigenes Medium. Doch dazu ein andermal.



Fazit: Flipchart ist großartig – aber nur, wenn Sie wirklich hinter diesem Tool stehen und es überzeugend nutzen. Dann bietet es Ihnen unendlich viele Möglichkeiten.

Julia Kunz

Hier dreht sich alles ums Gehirn und darum, welche Auswirkungen es auf Ihren Alltag hat. Wie Sie ihr Gehirn nutzen, - um eine gute Präsentation zu halten - um sich wichtige Argumente, Zahlen oder Namen zu merken - um neue Ideen zu kreieren oder sich auf Neues einzulassen und vieles mehr. Lassen ...