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Experten-Tipps

Erfolgsfaktor Persönlichkeit „Erkenne dich selbst!“

Dieser Artikel wurde am 12.11.2020 verfasst von
Renate Freisler

Schon in der Antike erforschten Philosophen die Persönlichkeiten von Menschen. Heute gehört die Persönlichkeitsentwicklung für viele Menschen zu einem sinn- und werteorientierten Leben, das persönliches Wachstum fördert. Eine Persönlichkeitsanalyse ist eine spannende Reise zu sich selbst. Sie hilft, sich besser kennen zu lernen, seine Stärken einzusetzen und sein Potenzial zu entfalten. Denn sich selbst gut zu führen und eine Vorstellung zu haben, was einem im Leben wichtig ist, geht einher mit persönlicher Zufriedenheit und Wohlbefinden.


Jeder von uns verfügt über eine charakteristische Persönlichkeit, die sich ganz individuell aus vielen unterschiedlichen Merkmalen zusammensetzt. Das Persönlichkeitsmodell der Big Five bietet ein gutes Grundgerüst von Persönlichkeitsdimensionen, die uns Menschen charakterisieren. Zwar können damit nicht alle Facetten einer Persönlichkeit enträtselt werden. Doch die fünf Eigenschaftspole als Grundachsen eines Kontinuums zeigen die wesentlichen Ausprägungen auf.


  • Introversion vs. Extraversion
  • Gewissenhaftigkeit vs. Flexibilität
  • Offenheit vs. Beständigkeit
  • Kooperation vs. Wettbewerb
  • Sensibilität vs. Emotionale Stabilität

In vielen psychologischen Studien wurden diese Persönlichkeitskomponenten immer wieder bestätigt. Dabei ist zu beachten, dass keine der Eigenschaften besser oder schlechter anzusehen ist. Es sind unterschiedliche Ausprägungen der Pole:



Introversion vs. Extraversion


Diese - wohl am bekannteste – Charaktereigenschaft beschreibt, ob Menschen eher nach Innen oder Außen gerichtet sind. Es geht darum, worauf die Aufmerksamkeit hauptsächlich gerichtet wird. Bei der Introversion ist es das eigene innere Erleben, bei der Extraversion geht es um die Interaktion mit Anderen.


Menschen mit einer hohen Introversion bevorzugen es, sich eher mit einzelnen Personen auszutauschen, als mit Gruppen. Sie sind zurückhaltender – vor allem in unbekannten Situationen – und streben mehr nach Ruhe und Entspannung.


Menschen mit einer hohen Extraversion haben ein hohes Bedürfnis nach Kontakten und nach positiver Wahrnehmung durch andere Menschen. Sie streben aktiv nach positiven Reizen und sind mehr erlebnisorientiert.



Gewissenhaftigkeit vs. Flexibilität


Diese Dimension beschreibt Facetten, die mit unserer Leistung und unserem individuellen Arbeitsstil verbunden sind. So zeigt es auf, wie jemand an eine Aufgabe herangeht und wie hoch seine persönlichen Zielvorstellungen und Prinzipien ausgeprägt sind.


Menschen mit einer hohen Gewissenhaftigkeit gehen planvoll vor, wägen ihre Entscheidungen mehrfach ab und zeigen ein ausgeprägtes Leistungsstreben. Sie haben eine disziplinierte Arbeitsweise und sind ordnungsliebend.

Die Flexibilität als Charaktereigenschaft zeigt sich in spontanen Entscheidungen und dem flexiblen Beurteilen von Sachverhalten oder Prinzipien. Das kann von Menschen, die auf der anderen Seite des Pols sind, als inkonsequent wahrgenommen werden. Die Tendenz zum Multitasking ist in der Flexibilität stärker ausgeprägt.



Offenheit vs. Beständigkeit


Ob Menschen Neues oder Bewährtes bevorzugen, zeigt sind bei diesen Polen.


Menschen mit einer hohen Offenheit interessieren sich stark für Neues. Sie haben eine angeregte Fantasie und Kreativität in sich und entscheiden eher gefühlsorientiert. Sie Probieren immer wieder neue Möglichkeiten aus und stellen das Bestehende in Frage.


Menschen mit einer ausgeprägten Beständigkeit orientieren sich eher an ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) und weniger nach ihrem Bauchgefühl. Sie verfolgen Bewährtes weiter (never change a running system 😊) und haben einen starken Bezug zur Realität. Klare Normen und Werte geben ihnen Orientierung.



Kooperation vs. Wettbewerb


Hier zeigt sich der Unterschied, wie sich Menschen in sozialen Interaktionen typischerweise verhalten. Helfen sie zuerst anderen oder sich selbst?


Eine hohe Kooperation zeigt sich in der Tendenz, anderen zu vertrauen und in einer stark ausgeprägten Hilfsbereitschaft. Diese Menschen sind kompromissbereit und scheuen eher Konflikte. In ihrer Selbstdarstellung zeigen sie sich bescheiden und lassen sich von Mitgefühl leiten.


Stark wettbewerbsorientierte Menschen haben eine eher skeptische Grundhaltung gegenüber Anderen und grenzen sich bei Problemen eher ab. Sie tragen Konflikte offen aus und entscheiden aufgrund rationaler Argumente. In der Selbstdarstellung zeigen sie sich positiv.



Sensibilität vs. Emotionale Stabilität


Diese Dimension beschreibt, wie robust oder empfindsam Menschen in Krisensituationen oder bei Problemen sind.


Menschen mit einer hohen Sensibilität zeigen sich sehr empfindsam und haben ein höheres Anspannungsniveau. Sie haben eine höhere Durchlässigkeit und mehr Stimmungsschwankungen, die auch zu Verunsicherung führen können. Ihre Empfindsamkeit macht sie anfälliger für Stress.


Eine starke emotionale Stabilität geht einher mit Entspanntheit und wenig Reizbarkeit. Diese Menschen haben weniger Stimmungsschwankungen. Sie fühlen sich in sozialen Situationen sicher und sind stressresistent. Sie haben weniger Zugang zu den eigenen Emotionen. Dies kann auf Andere auch unsensibel wirken.



Wertschätzen statt Verurteilen


Immer wieder führen Unterschiedlichkeit von Charaktereigenschaften zu Konflikten. Die Menschen nehmen sich selbst als Maßstab und beurteilen Andere danach. Doch gerade die Unterschiedlichkeit macht es aus. In Hochleistungsteams ist Diversity gewünscht. Und auch im Privaten ist das Wertschätzen unterschiedlicher Eigenschaften ein Geheimnis vieler guter Beziehungen.


George Bernhard Shaw drückt es so aus: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“



Energie zielgerichtet einsetzen


Die Ausprägungen sind wie ein Schieberegler zu betrachten. Je nachdem, wo zwischen den beiden Polen dieser Schieberegler steht, macht das den individuellen Mix der Charaktereigenschaften in der Persönlichkeit aus.


Dass die Big Five Faktoren zeitlich ziemlich stabil sind, haben Forschungsergebnisse immer wieder gezeigt. Wir können zwar gezielt an unserer Persönlichkeit arbeiten und uns bis ins hohe Alter verändern. Doch eine stark introvertierte Persönlichkeit mit hohen Ausprägungen von Gewissenhaftigkeit und Beständigkeit wird wohl kaum zum spontanen Partylöwen werden, und es wahrscheinlich auch nicht wollen. Das kostet viel zu viel Energie. Denn eine wesentliche Erkenntnis, die wir aus Persönlichkeitsanalysen ziehen können ist, dass wir zwar die andere Seite des Pols „bedienen“ können. Dies kostet allerdings dauerhaft viel Energie und kann zu Überforderung, bis hin zum Burnout führen. Deshalb ist Selbstreflexion ein guter Weg um bei sich zu bleiben, seine Stärken zu erkennen und diese zielgerichtet einzusetzen.


Sie möchten mehr über die Big Five erfahren? Sprechen Sie mich an. Mit dem LINC PERSONALITY PROFILER (LPP) werden Ihre Charaktereigenschaften erfasst, ergänzt um Ihre Motive und Kompetenzen. Eine spannende Reise in die eigene Persönlichkeit um sich selbst und Andere noch besser zu verstehen. In diesem Sinne wünsche ich „Erkenne Dich selbst“.

Renate Freisler

Mit einem ganzheitlichen Blick analysiert Renate Freisler die Dinge. Gemeinsam mit ihren Kunden erarbeitet sie individuelle Lösungen und begleitet sie auf dem Weg dorthin. Sie unterstützt bei hohen Belastungen, in Veränderungssituationen, bei der persönlichen Entwicklung oder in der Rolle als Führun ...