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Experten-Tipps

Wege aus dem Burnout

Dieser Artikel wurde am 07.07.2019 verfasst von
Heinz Léon Wyssling

Gemäss einer Studie der Gesundheitsförderung Schweiz sind 25% aller Erwerbstätigen ziemlich bzw. stark erschöpft. Die Belastung der Arbeit ist bei 6% bereits so stark, dass sie den Fuß in der Tür zum Burn-out haben.


In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. 2011 wurden bundesweit 59,2 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.

Bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen von Burnout betroffen. Fast zehn Millionen Tage waren Erwerbstätige wegen Burnout-Symptomen in 2010 krank geschrieben. Das heißt: Rund 40.000 Arbeitskräfte fehlten über das ganze Jahr im Büro oder an der Werkbank, weil sie sich ausgebrannt fühlten.


Ein Burnout verursacht nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Schnitt 30,4 Krankheitstage pro Jahr. 20% aller Erwerbstätigen erleben Burnout-ähnliche Phasen, also jeder fünfte.



Wer ist für einen Burnout prädestiniert?


Burn-out ist keine anerkannte psychiatrische Diagnose, sondern wird nur im Anhang der Klassifikation psychiatrischer Erkrankungen aufgeführt. Das auch als Erschöpfungssyndrom benannte Ausbrennen ist ein schleichender Prozess, der sich über 3-5 Jahre vom latenten zum manifesten Syndrom entwickeln kann. Die Arbeitswelt, die sich immer schneller verändert, das permanente Change-Management und die sich abzeichnenden Veränderungen durch die Digitalisierung können zur Überforderung, verbundenen mit einer ungenügenden Entspannung und schlechter Schlafqualität, zu einem ausbrennen führen.


Tendenziell sind es bestimmte Persönlichkeiten, die besonders gefährdet sind. Sie stellen hohe Anforderungen an sich selbst und andere, sind perfektionistisch und versuchen alle an sie herangetragenen Anforderungen im Job und Privatleben zu erfüllen. Sie definieren sich stark über ihre berufliche Funktion und Rolle. Es sind aber nicht nur Manager, Banker sowie Funktionsträger in sozialen Berufen wie Sozialarbeiter, Lehrer und Berufe im Gesundheitswesen oder auch bei der Polizei betroffen. Es zieht sich durch alle Branchen und Hierarchien durch.


Der Prozess des schleichenden Ausbrennens beginnt meistens mit einem Desinteresse und reduzierten Engagement in der beruflichen Tätigkeit. Im Gegensatz zu früher, wo Kreativität und Engagement 100% und meist mehr war. Zunehmend treten nun auch körperliche Beschwerden auf, die jedoch keine körperliche Ursache haben, sondern somatischer Natur sind. Am Ende machen sich oft Verzweiflung, Depression, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen, Bluthochdruck, Tinnitus und anderes bemerkbar.



Was sind erste Anzeichen?


Wenn eine Erschöpfung sich auch nach einem langen Wochenende oder durch Ferien (ohne Arbeit) nicht zurückbildet, sollten die Warnlichter angehen. Ausreichender Schlaf ist die beste Regeneration. Hier zählt die Schlafqualität und nicht die Anzahl der Stunden, die man im Bett liegt. Insbesondere das Erreichen von Tiefschlafphasen im Schlafzyklus sind elementar. Wenn die Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol auf einem zu hohen Level sind und nicht wieder hinuntergefahren werden können, weil die Entspannung unvollständig ist, führt das zu Schlafstörungen - eine Negativ-Spirale setzt ein. Tiefschlafphasen werden nicht mehr erreicht und der biologische Selbstheilungsvorgang ist beeinträchtigt. Denn neben der Zellerneuerung baut das Immunsystem (Immunbotenstoffe) in der Tiefschlafphase die Abwehrkräfte auf, die uns vor viralen Infekten schützen. Wichtig ist, dass alle Freizeitaktivitäten nicht mit einem Leistungsanspruch verbunden sind, sondern ausschließlich zur Erholung dienen.



Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?


Eine stationäre Behandlung ist nur dann angezeigt, wenn es in der ambulanten Beratung und im Coaching nicht gelingt, die Burn-out Entwicklung zu stoppen oder umzukehren. Ein wirksames, ambulantes Verfahren ist das Neuroimaginationscoaching®.


Mit dieser Methode können die Selbstheilungskräfte gestärkt und gefördert werden. Das Entdecken der eigenen Ressourcen, der Umgang mit sich selbst und die damit verbundenen Belastungen werden thematisiert und die Achtsamkeit, die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) entwickelt. Angesprochen werden auch körperliche Gesundheit, Stresstoleranz, also die Fähigkeit in der Stretch-Zone zu bleiben und nicht in die Stress-Zone zu fallen, die Selbstbestimmung und die Einstellung zu sich selbst und zu andern. Bei letzterem geht es darum, zu prüfen ob Mitmenschen Energie geben oder Energie abziehen.


Ziel ist es, durch Coaching und Selbsthilfe-Programme die Regenerationsfähigkeit als Grundlage eines stabilen Gesundheitszustandes zu erhalten.


Neurostress wird abgebaut und so ein entstresster Zustand erreicht. Grundsätzlich ist ein Coaching für jeden sinnvoll, der vor persönlichen oder beruflichen Herausforderungen steht. Jeder, der sich weiterentwickeln, seine Belastbarkeit erhöhen und Möglichkeiten erweitern will, profitiert von einem Coaching. Während des Coachings erlernen Sie u.a. einen guten Umgang mit Stress, damit Sie in der Stretch-Zone bleiben.



Was ist die Verantwortung von Unternehmen?


Arbeitgeber sind gesetzlich zum Gesundheitsschutz ihrer Angestellten verpflichtet (Verordnung 3, Art. 2 zum Arbeitsgesetz). Um das zu messen ist das Assessment vom HR-Cockpit zu empfehlen.


Motivation und Mitarbeiterbindung sind zentral bei der Belastung - es gibt hier einen Zusammenhang. Wenn der Wert stimmt, dann ist die Belastung im Normbereich. Neben dem Überprüfen der Belastungssituation, dazu gehört neben der Über- auch die Unterforderung (Bore-out), können auch die Unternehmenskultur und der Führungsstil Belastungsfaktoren sein. Workshops zum Thema Resilienz sind sinnvollerweise anzubieten.


Führungskräfte müssen zwingend in der Lage sein, die Ressourcen, Kompetenzen und Stärken der Mitarbeitenden zu erkennen, situativ zu führen, also im Kontext der Anforderungen der Arbeit und den Fähigkeiten des Betroffenen sowie die Belastungssituation regelmäßig zu prüfen, anzupassen und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Das Assessment „Leadership“ vom HR-Cockpit misst das Führungspotenzial und die Führungswirksamkeit.



Was sind mögliche Präventionsmaßnahmen?


Es gibt keine allgemeingültige Zauberformel. Wir Menschen sind unterschiedlicher als uns die Psychologie weiszumachen versucht. Was jedoch sicher hilft, ist ein ausgefülltes, sinnhaftes Leben.


  • Wenn man weiß „wer man ist“ (nicht als beruflicher Funktionsträger),
  • „was man der Welt anzubieten hat“ und
  • was seine „persönliche Mission ist“ (was sich je nach Lebensalter immer wieder ändern kann)
  • und man seine negativen Glaubenssätze kennt und die durch stärkenden ersetzen kann,

ist man gut geschützt gegen ein Ausbrennen.

Heinz Léon Wyssling

Meine Mission ist es Menschen zu unterstützen ​dass sie ihr Potenzial entdecken und entfalten können um ihre Ziele mit Erfolg zu erreichen. Organisationen begleite ich als Moderator im Change-Management um die Prozesse und Schnittstellen effektiv und effizient zu gestalten und Burnout zu vermeiden. ...